Vereinsgeschichte

Turner werden nicht alt, sie leben nur länger.

(Maxime Rudi Pastoors, Präsidiumsmitglied im RTB 1985 zum Silberjubiläum)

Über 60 Jahre Vereinsgeschichte – da hat sich einiges angesammelt, vieles ist aber leider auch verloren gegangen.
Mit 168 Mitgliedern, 2 Sportarten und 2 Übungsleitern fing alles an. Frau Agnes Poethen, eine des Mitbegründerkreises des Kempener Turnvereins 1960 e. V. [KTV], berichtet über ihr Lebenswerk anlässlich des Rubinjubiläums (40 Jahre):
Die Initiatoren zur Gründung des Kempener Turnvereins waren Mitglieder der Vereinigten Turnerschaft 1859 e. V. Kempen [VTK]. Als das Ehepaar Poethen diesen Verein verließ, kam [es als Selbsthilfe] durch die Kinderabteilung der Vereinigten Turnerschaft zum Vorschlag einen eigenen Turnverein zu gründen.
Laut Bericht der Elternversammlung der Kempener Turnjugend vom 28. September 1960 waren dort 57 Personen anwesend. Nach Erörterung der Lage und Verhandlungen mit der Vereinigten Turnerschaft beschloss die Versammlung auf Antrag von Herrn Wolfgang Dietzsch einmütig, zu der für den 1. Oktober einberufenen Generalversammlung schriftlich folgende Anträge vorzulegen:

  1. Wie bekommen wir eine optimale turnerische Betreuung unserer Kinder? und
  2. Ab 1. Oktober gibt es den Kempener Turnverein von 1960.

Zum 1. Vorsitzenden wurde Rechtsanwalt Franz Pauls gewählt. Die Elternschaft bestand aus den Herren Van den Boom, Winterscheidt, Dietzsch und Kindermann sowie den Damen Person und Sohl.
Bereits am 11. Dezember 1960 fand eine Adventsfeier des KTV statt … Das 1. goldene Sportabzeichen wurde im neu gegründeten Verein von Agnes Poethen erworben.

Am 12. Februar 1961 beginnt mit der Teilnahme am Kinderkarnevalszug unter dem Motto „We make öch jet fü‑er!“ ein veranstaltungsreiches Jahr, das sich über das Bundestreffen der Deutschen Turnerjugend zu Pfingsten, verschiedene Wettkämpfe und Meisterschaften, fröhliche Jugendveranstaltungen bis zum Gitarren- und Mandolinentreffen am 4. Dezember erstreckt. 1962 erscheint wohl die erste Ausgabe des gelb-weißen Vereinsheftes „iM BLiCKPUNKT“. Ereignisreich geht es in den folgenden Jahren mit Gauturnfesten, internationalen Begegnungen, 3wöchigen Ferienfreizeiten mit etwa 100 Kindern von 6 bis 15 Jahren, Kastanien- und Eichelaktionen, Tanztees und Sommerfesten weiter. 1964 kommt Ski-Sport dazu und 1965 wird das 600ste und 1966 gar das 700ste Mitglied begrüßt, im selben Jahr kommt es zur deutsch-französischen Begegnung der Volleyballmannschaft in Laon/Frankreich und 1967 wird als weitere Sportart Schwimmen angeboten. Das Ehepaar Willy und Agnes Poethen, dass sich ganz dem Vereinsleben verschrieben hat, pflegt viele Kontakte jeglicher Art, wie internationale Jugendbegegnungen und Briefe aus Afrika, Frankreich, Belgien, Niederlande, Schweiz und der Türkei belegen. Das Vereinsheft „iM BLiCKPUNKT“ wird immer wieder von verschiedenen Turnerbünden als herausragendes und „zur Nachahmung empfohlen“ gelobt. 1970 findet im Rahmen der Landesgartenschau NRW ein internationaler Flugtag statt, bei dem unsere Turnerinnen eine Gymnastikstudie und Tänze als Rahmenprogramm vorführen. Das 1000ste Mitglied wird 1974 und das 1200ste 1978 begrüßt.

Der KTV richtet unter vielem anderen auch in den 70er Jahren Landesturnfeste, Gaukinderturnfeste, Skitrainingslager, Rheinische Schülermeisterschaften im Trampolinturnen aus und wird vom Landschaftsverband für seine Jugendarbeit in höchsten Tönen gelobt. Getragen von der ideellen Arbeit der vielen Ehrenamtlichen betreibt der KTV inzwischen allgemeines Turnen, Kunstturnen, Gymnastik, Ballett, Tanz, Volleyball, Schwimmen, Leichtathletik, Fechten, Tischtennis und Trampolinturnen. Er bietet – 32 Jahre lang mit Agnes und Willy Poethen als „Ferieneltern“ – Jugendferienfreizeiten in Duinwyk an der holländischen Nordsee, Skilehrgänge in Winterberg, Reisen im In- und Ausland sowie die Abnahme von Sport- und Skiabzeichen an. Und er ist bei Goldhochzeiten, Stadt- und Turnfesten dabei und bekommt beispielsweise Besuch von englischen Tischtennisspielern, japanischen Sportlerinnen und ungarischen Turnern. 1981 ist der KTV Ausrichter der 20. Rheinischen Trampolinmeisterschaften, hat seinen Auftritt mit „6 Wilde und 1 Krümel“ und begrüßt am 10. Oktober sein 1300stes Mitglied. Zu diesem Zeitpunkt gibt es in Kempen 9140 sporttreibende Bürger, die sich mit 20 verschiedenen Sportarten auf 31 Vereine verteilen. In schöner Regelmäßigkeit werden Meisterschaften und Wettkämpfe gewonnen.

Agnes und Willy Poethen werden am 29. Dezember 1982 durch den Landrat Hanns Backes mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande geehrt. Etwa zeitgleich werden die Abteilung des Behinderten- und Koronarsports, die Trampolin-Leistungsgruppe mit 8 Mädchen, Ulla Huppertz als Trainerin und die Basketball-Abteilung gegründet. 1984 organisiert der KTV das Stelldichein der Tanzsportpaare, die dem Tanzsportverband Nordrhein-Westfalen angehören und feiert mit rund 1400 Mitgliedern am 21. September als „Spiegelbild eines Gemeinschaftssinns“ sein Silberjubiläum, zu dem Rudi Pastoors als Präsidiumsmitglied im RTB die Ansprache hält und die Eheleute Poethen mit der Dr.-Willi-Schwarz-Plakette ehrt.

1987 ab Oktober werden unsere Schwimmstunden gestrichen und der Kempener Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt, wir holen 3 Titel im Jahnkampf, feten auf dem Bauernhof, bieten einen Tag der offenen Tür an, machen Veranstaltungen mit Behinderten und Nichtbehinderten, 1988 wird die Basketball-Gemeinschaft Westdeutscher Meister, der Trampolinnachwuchs schafft die Qualifikation für die Deutsche Meisterschaft und wir sind bei beim Festzug zur 100-Jahr-Feier des Thomaeums dabei. 1991 wird das Trampolinleistungszentrum von Süchteln nach Kempen verlegt. In den Jahren 1989 bis 91 bildet sich der Vorstand neu. Am 15. 12. 1991 steigen die Trampolinturner in die 1. Bundesliga auf. 1992 kommt Wirbelsäulengymnastik dazu, es wird international gefochten, die Basketballer steigen in die Landesliga auf und der KTV ist der stärkste Verein auf Landesebene im Kader des Deutschen Turnerbundes. In den Folgejahren ist die Trampolinabteilung das Aushängeschild des KTV, avanciert zum Trampolinverein und bestreitet eine schier unglaubliche Anzahl an Teilnahmen auf allen Stufen bis zu den Deutschen Meisterschaften, auf denen sie es mit Heidi Huppertz 1995 bis zur deutschen Vizemeisterin schafft, im selben Jahr kommt es im Eklat zur Schließung der Basketballabteilung. 1996 werden auch die Volleyball- und die Tischtennisabteilung aufgegeben, aber mit Badminton, Stepaerobic, Fitness und Gesundheit kommen weitere Sportsparten in unseren Verein, neben 195 Austritten verzeichnen wir 150 Eintritte, wir erhalten das Prädikat „Pluspunkt Gesundheit“, die Geschäftsstelle zieht von der Tulpenstraße 15 in die Hülser Straße 12 um und die Fechter sind erfolgreich. Die Internetseite des KTV startet und die neue Sportart Korfball etabliert sich 1997 leider nur kurz, Yoga sowie Kindertanzgruppen kommen 1998 dazu. Auf dem Deutschen Turnfest in München sind wir mit unserem rollenden Trampolin als Zuschauermagnet dabei und Gurski ficht sich in die Qualifikation zur Deutschen Meisterschaft.

Am 31. 12. 1998 zählt der KTV 1667 Mitglieder, aber auf der Jahreshauptversammlung sind nur 66 anwesend. „Wo sind all die anderen, all jene, die das ganze Jahr über meckern, und manchmal sogar konstruktive Kritik äußern?“ Es sind – wie immer und überall – ständig dieselben, die sich ehrenamtlich engagieren, die Kinder zu Wettkämpfen begleiten, Kuchen backen, Salate machen, Stände betreuen, vor- und nachbereiten, die Staffelleitung übernehmen, Übungsleiter anhalten Teilnehmerlisten auch wirklich durchgängig zu führen, Berichte schreiben usw. usw. Deshalb begegnen uns immer wieder dieselben Namen bzw. Personen, die, wenn sie dann gehen, eine große, nur schwer zu schließende Lücke hinterlassen, weil es inzwischen meist ganze Freundeskreise sind, die das gemeinsame Tun zusammengeschweißt hat. Eine Erkenntnis, die sich durchzieht und die man in allen Vereinen zu jeder Zeit gewinnen kann.

1999 sind die Radtour durchs Münsterland, die Tänze zum Sommerfest, der Zweigeräte-Wettkampf, die Stadtmeisterschaften im Geräteturnen, die Gaumeisterschaft, die Trampolinmeisterschaften, der Erwerb der Kinderturnabzeichen und die Weihnachtsfeier als Höhepunkte zu nennen. 2000 feiern wir 25 Jahre Fechten, 10 Jahre Trampolinbundesliga und 40 Jahre KTV mit 23 Sportarten, 34 Übungsleitern und 1756 Mitgliedern – davon 498 allein beim Trampolin. Leider löst sich die Behindertenabteilung mit der Krebsnachsorge mangels Interesse auf. In den folgenden Jahren machen es sich die Trampoliner zur Gewohnheit mit Katrin Ista, Jessica Tiede, Timm Metternich, Johanna Sauerland, Michael Soesters, Patricia Hartjen, Sarah Hinz, Kathrin Fritsch, Simon Tophoven, Saskia Boesader, Joscha Prießen, Simon Gerlach und anderen die besten Plätze nicht nur im Ostseepokal und beim Niederrhein Cup zu belegen. 2001 wird John Frederick Gurski Vize-Landesmeister im Fechten.

2004 kommt – mit knapp 130 Ausgaben – wohl das letzte Vereinsheft raus und Hannis Ära des KTV-Internetauftritts startet durch. Es gibt immer wieder Ansagen zur Amtsniederlegung, weil der Vorstand zuviele Aufgaben allein stemmen muss und die Mitgliederzahlen sinken leicht um 90. Um die Finanzierung zu sichern, zeigt sich die Internetpräsenz mit Werbung. 2005 findet man den Sozialwart nicht mehr zeitgemäß und Basketball fällt wieder mal weg. 2006 steht der Umzug in die Hülser Straße 10 an – es ist nur ein Haus weiter. 2008 spendet die Volksbank einen Defi und 2009 beginnt die Volleyballabteilung unter Lars Mülders langsam zu wachsen und bildet eine Spielgemeinschaft mit Herongen, so dass sie bis heute mit mehreren Teams in der Kreisliga Kleve spielt.
Ende 2013 beendet Ulla mit ihren Töchtern endgültig ihre aktive Trampolintrainerzeit und legt auch den Vorsitz im Verein nieder. Es folgt eine turbulente Zeit für den gesamten Vorstand mit wechselnden Personen. 2018 glaubt man sich endlich in ruhigerem Fahrwasser, aber dann geht Ende 2019 die Coronapandemie um die Welt. Wie überall verliert auch unser Verein ein Fünftel seiner Mitglieder. Mal schauen wie es weitergeht und ob wir gut aufgestellt sind, wenn es endlich wieder mit dem Sporteln losgehen kann. Ihr wisst ja: Turner werden nicht alt, sie leben nur länger.

[Diese – keineswegs auf Richtigkeit bestehende – Zusammenfassung basiert auf Erzählungen von Zeitzeugen, Protokollen und Berichten aus den, noch teilweise vorhandenen, Vereinsheften. Auch die Jahreszahlen variieren mitunter ein wenig.]